Der Camí ist das Ziel

Endlich wieder in Fahrt. Hauptrichtung: Süden, vielleicht in die Nähe von Tarragona oder ins Ebro-Delta. Das geliebte Barcelona wollen wir weiträumig umfahren, etwas von der Bergwelt im Hinterland der Costa Brava sehen. Das wird uns gelingen. Fast mehr als uns lieb ist.

Kurs Westsüdwest, vorbei an Girona, Vic, Manresa. Im Norden die verschneiten Gipfel der Pyrenäen.

Doch vor uns tun sich immer öfter noch spektakulärere Berge auf, die wir als die Muntanya de Montserrat identifizieren. Neues Zwischenziel, da wollen wir jetzt hin.

Erst scheint es, als scheiterten wir an der spanischen Unlust, ihre Straßen verständlich zu beschildern, doch nach einigen Verfahrungen glauben wir uns auf dem richtigen Weg. Und „Weg“ wird fast zum Problem: wir finden wunderschöne Straßen durch die Berge. Aber die werden immer kleiner und kurviger und enger und irgendwann von einer Straße zu einem Weg.

Großes Auto vor kleinem Camí

Unser Auto ist fast 7m lang, 2,3m breit und ungefähr 3,2m hoch. Geringste Katalanisch-Kenntnisse hätten mich davon abgehalten, den „Camí de Marganell a Montserrat“ zu befahren. Da ich diese jedoch nicht habe, wußte ich nicht, daß „Camí“ nichts anderes bedeutet als: Weg.

Und wenn dieser, nach dem gestrigen Regentag, auch noch von kleinen Wasserfällen überspült wird, kommt Offroad-Feeling auf.

Wir sind froh, nach 10 Kilometern Camí, wieder richtige Straßen unter den Rädern zu haben. Leider sind diese immer noch klein und kurvig und anstrengend zu fahren und zudem gut gefüllt mit Sonntagsausflüglern und Reisebussen. Wir suchen eine Übernachtungsmöglichkeit und finden nichts in der Nähe. Das Kloster von Montserrat werden wir heute nicht mehr sehen.

Wir quälen uns noch Stunden über Bergstraßen und durch die Weinberge des Penedès, überlegen hier zu übernachten oder dort, um es dann immer wieder zu verwerfen. Also führt uns die heutige Reise noch über einen letzten Pass nach Montblanc. Und hier sehen wir, was wir wirklich nicht mehr in unserer Nähe haben wollten: Schnee.

Schließlich finden wir unser ergugeltes Ziel, die Heretat Masia Poblet Calçotades, ein Bauernhof und Weingut mit einigen Wohnmobil-Stellplätzen, die kostenlos sind, wenn man im dazugehörigen Restaurant speist. Obwohl todmüde, gönnen wir uns, zum ersten Mal seit unserem Avignon-Aufenthalt, einen Restaurantbesuch.

Wir erfahren die geballte katalanische Gastfreundschaft. Die kleine Auswahl regionaler Hausmannskost wird uns ausführlich erklärt, der Stockfischsalat nahezu aufgedrängt. Ich erkläre meine Weizenallergie und unsere Gastgeberin zaubert Mais-Zwieback hervor, damit ich auch das, am Tisch zubereitete, Tomatenbrot essen kann. Und selbstverständlich wird in der Küche auf die Schnelle noch eine Mandelsauce ohne „pan rallado“ (Semmelbrösel) fabriziert.

Stockfischsalat mit Madelsauce

Wunderbares einfaches preiswertes Essen. Den Brandy danach auf der Terrasse „mußte“ sich der Gast dann selbst einschenken…

Stellplatz: Frösche quaken, ein paar Gänse passen auf. Anstonsten: Ruhe.

 

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